Auf den Spuren von Walter Neuhäusser – das Schlossborner Freibad

Umgang mit der Kultur- und Baugeschichte, der Nachlass Walter Neuhäussers

Walter Neuhäusser, der durchaus zu den Pionieren der bundesdeutschen StB-Schalenbauten gehört,

hatte u.a. 1964 die Alster-Schwimmhalle in Hamburg errichtet und im Jahr 1963 die Limburger Kirche St. Hildegard. Neben seinen Hauptkompetenzen der Schalenbauten, wurde Neuhäusser relativ früh zu einem der führenden Experten für Fachwerkhäuser in Deutschland.  In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich als junger angestellter Architekt, damals tätig für die Architekten Götting & Kaffei, dem leitenden Architekten Neuhäusser, im Rahmen der Sanierung der hochgotischen Fachwerkgebäude des Römer 2, 4, 6 in Limburg zuarbeiten durfte.

Ferner stand Neuhäusser der Bauhausschule sehr nahe und wurde 1976 in den deutschen Werkbund berufen. Der Kollege Neuhäusser ist am 19.01.2021 verstorben. Neuhäusser ist  als einer der wesentlichsten Vertreter der Architektur nach dem 2. Weltkrieg in unserer Region hervorzuheben.

Das Freibad wude 1968 von den Architekten Walter Neuhäusser und Erich Kramm errichtet

Detail: Auflösung der Stahlstützen , Flachdachkonstruktion der Garderoben
Detail: Dynamik der Bodenplatten, losgelöst vom Terrain, Ausführung mit Schattenfuge

Analyse der Poportionen und Strukturen der Sanitär- und Umkleidebereiche

Neuhäuser hat die Grundriss-Matrix aus quadratischen Strukturen abgeleitet und hier ganz besondere Gesetzmäßigkeiten zugrunde gelegt. Das Grundmodul für die Geometrie der Hauptbauteile von Herren- und Damen-Trakt, bildet ein Quadrat in den Abmessungen von 8,40 x 8,40 m

 

Es wurden zwei Quadrate in den vorgenannten Abmessungen übereinander verschoben, um jeweils 2,80 m nach oben resp. 2,80 nach unten. Hoch interessant hierbei ist, dass sich die Gesamtlänge mit 8,40 m durch 3 x 2,80 m zusammensetzt. Die Zahl 2,80 bzw. 280 ist eine vollkommene Zahl, da diese Zahl gleich der Summe ihrer Teiler ist. Die ersten 4 vollkommenen Zahlen 6, 28, 496 und 8128 waren bereits den Griechen bekannt und spielten insbesondere in der Zahlenmystik der Pythagoreer (540 v.Chr.) wie auch bei Euklid (ca. 300 v. Chr.) eine sehr große Rolle.

Die vollkommene Zahl 28 erklärt sich wie folgt:

 28 = 1 + 2 + 4 + 7 + 14

Es wird jetzt noch spannender! Neuhäusser hat die geometrischen Verhältnisse der Baukörper, wie auch der Baukörper zueinander, nach den Regeln des goldenen Schnittes geordnet. Als „Goldener Schnitt“ wird das Teilungsverhältnis zwischen einer Strecke oder einer anderen Größe bezeichnet,

bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem größeren Teil, dem Verhältnis des größeren zum kleineren Teil gleich ist. Das Verhältnis ist 5:3 also 0,618 Diese Gesetzmäßigkeit ist nicht nur Bestandteil der Mathematik, der Kunst oder Architektur,

Nachdem Neuhäusser die übereinanderliegenden Quadrate mit den Seitenabmessungen von 8,40 m um jeweils 2,80 m (vollkommene Zahl) nach oben resp. unten geschoben hat, ergibt sich die Hauptgeometrie des Herren- und Damen-Traktes. Den Mittelpunkt des Herren-Traktes hat Neuhäusser über die Anwendung des „Goldenen

Schnittes“ durch Zugrundelegung der linken Außenkante des mittleren Bauteils Damen-Trakt, als auch der äußeren Kante der jetzigen Damen-Umkleide und Dusche ermittelt.Ebenso unterliegt das Verhältnis der Herren-Hauptfläche und das jetzige Herren-WC der vorgenannten Geometrie. Es handelt sich hier um eine exemplarische Ausführung. Die Dokumentation weiterer gewonnener Erkenntnisse ist zunächst fehl am Platz. Es geht lediglich darum, die Geisteshaltung und Entwurfsmethodik von Walter Neuhäusser grob zu skizzieren.

Die gleichen Erkenntnisse ergeben sich durch Analysen der orthogonalen Struktur im Bereich der Z-Koordinaten. Auch hier wurde der „Goldene Schnitt“ umfassen zugrunde gelegt.